Wie wächst man in einer Diktatur auf?

Anette Evans berichtet Schülerinnen und Schülern der RHS von ihrer Kindheit, Jugend und Erwachsenenwerden in der DDR-Diktatur

Am 12. Mai 2026 hat Anette Evans in der Stadtbücherei Dreieich-Sprendlingen mit uns ein Zeitzeugengespräch geführt. Sie wurde am 1. Juli 1967 in Jena geboren und lebte bis zur Wiedervereinigung in der DDR. Das Gespräch war sehr interessant, weil wir dadurch aus erster Hand erfahren haben, wie es sich für sie angefühlt hat, in der DDR zu leben.

Anette Evans wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Viele Menschen in der DDR zeigten ihre Religion nicht öffentlich, doch Anette Evans wurde konfirmiert und engagierte sich später in kirchlichen Gruppen. Dort konnte sie freier über ihre Meinung und Gefühle sprechen, musste jedoch auch aufpassen, was sie sagte, denn das Ministerium für Staatssicherheit hörte sehr vieles ab. Dadurch war nicht nur sie selbst sondern auch gleich ihre Eltern in Gefahr.

Schon in der Schule war ihre Haltung gegenüber dem politischen System der SED eher kritisch. Sie äußerte dies auch in ihrer Klasse, was den Lehrern nicht gefiel. Deswegen durfte sie später auch kein Abitur machen und es wurde in den Zeugnisbemerkungen bereits mit 13 Jahren vermerkt. Die Lehrer achteten sehr darauf, dass die Schüler nichts Negatives über das politische System der SED sagten, und sollten sie anleiten, es aktiv zu unterstützen. Wer dagegen verstieß, hatte mit Nachteilen in Ausbildung und Beruf zu rechnen.

Trotz dieser Schwierigkeit hat ihre Familie sie unterstützt und zu einem offenen, kritischen und diskutierenden Menschen erzogen. In dieser Zeit schrieb sie Gedichte und Tagebuch, welche sie bei unserer Begegnung teilweise laut vortrug. Dadurch konnten wir nochmal sehr gut ihre Situation nachempfinden und uns in ihre Lage versetzen. Dies erzeugte eine noch realistischere und greifbare Perspektive für uns. Als die Mauer fiel war sie super erleichtert und glücklich. Sie musste nicht mehr mit großen Risiko die DDR verlassen, um freier sein zu können.

Das Zeitzeugengespräch war sehr spannend und beeindruckend, weil man darüber die Geschichte anders wahrnimmt, auf eine persönliche Ebene erzählt bekommt. Besonders heftig empfanden wir es, wie stark diese Partei das Leben der Bürger eingeschränkt und beeinflusst hat. Das Gespräch hat gezeigt, wie wichtig Meinungsfreiheit ist wir glücklich sein können, diese zu haben.

                                                                                                                                  Cecilia und Elisabeth